Ein verbreitetes Missverständnis: „Das Alte Testament ist der zornige Gott, das Neue Testament ist der liebende Gott.“ Die Realität ist komplexer und schöner. Die gesamte Bibel erzählt eine Heilsgeschichte: Gott ruft Abraham, schließt einen Bund mit Israel und sendet in „der Fülle der Zeit“ den Sohn, um zu erlösen und neu zu schaffen. Jesus hebt das Alte Testament nicht auf, sondern erfüllt es (siehe die Evangelien über das Gesetz und die Propheten).
Christus ist der “Schlüssel” zum Alten Testament
Die katholische Kirche versteht das Alte Testament im Licht Christi und der Kirche. Viele Bilder (Lamm, Passah, Tempel…) werden durch die Evangelien und die apostolischen Briefe neu beleuchtet. Das bedeutet nicht, dass man jede geheimnisvolle Bedeutung erzwingen sollte, sondern dass man den Offenbarungsprozess mit Ziel erkennt.
Warum brauchen wir das Alte Testament heute noch?
Weil wir das „Neue“ nicht verstehen, wenn wir das „Alte“ im Sinne des Bundes nicht kennen; weil die Psalmen den Gottesdienst nähren; weil die Propheten für Gerechtigkeit und Barmherzigkeit weiterhin die Gesellschaft herausfordern. Die Kirche empfiehlt nicht, das Alte Testament abzulehnen — sondern es im richtigen Kontext und mit der richtigen Lehre zu verstehen.
Interreligiöser Dialog und Respekt vor der Heiligen Schrift Israels
Christen verstehen das Alte Testament als gemeinsames Erbe mit dem Judentum — nicht als Aneignung oder Spott. Die Kirche hat immer wieder die besondere Beziehung zum Volk des Bundes betont; beim Studium der Heiligen Schrift sollte man einen ersetzenden Ton oder das „Wir verstehen es besser“ vermeiden. Diese FAQ ersetzt kein vertieftes interreligiöses Buch; sie stellt nur die Haltung richtig, wenn wir das Buch Genesis oder die Psalmen öffnen.
Das Alte Testament im wöchentlichen Gottesdienst
Fast an jedem Sonntag gibt es eine Lesung I aus dem Alten Testament (oder aus der Apostelgeschichte / einem dazugehörigen Brief). Wenn Sie nur mit dem Evangelium vertraut sind, nehmen Sie sich fünf Minuten Zeit, um vor der Lesung I zu lesen — Sie werden den Rhythmus von Prophetie – Erfüllung erkennen, ohne geheimnisvolle Erklärungen auf jeden Vers anwenden zu müssen. Das ist der praktischste Weg, um für die Gläubigen ins Alte Testament „einzutauchen“.
Das Neue Testament “erklärt rückwärts” das Alte Testament
Wenn Sie die Briefe des Paulus oder den Hebräerbrief lesen, die aus Genesis, Exodus oder den Psalmen zitieren, schlagen Sie den ursprünglichen Abschnitt auf — Sie werden sehen, dass der gleiche Gott die Geschichte fortsetzt, ohne die Seiten zu wechseln. Diese Gewohnheit schult das Auge des Christen, die Heilige Schrift als eine Reise zu betrachten, nicht als zwei gegensätzliche Bücher.
„Sie sprachen über den Meister“ — Jesus erklärt den Jüngern die Heilige Schrift auf dem Weg nach Emmaus.
— Lukas 24:27 (Zusammenfassung)

